Nach langer Zeit...

... melde ich mich hier an dieser Stelle mal wieder. Ca drei Jahre sind vergangen seitdem ich hier das letzte mal geschrieben hab. Viel ist in den letzten Jahren passiert. Nicht nur bei mir, nein auch bei den Zeugen Jehovas.

Ich bekomme das alles nur noch am Rade mit und darüber bin ich froh. Die Facebookgruppe, welche den selben Namen hat wie diese Seite hier, die leite ich schon seit 2 Jahren nicht mehr. Auch besuche ich nur noch selten Foren und Seiten die sich mit dem Thema der Zeugen Jehovas befassen.

Ich habe überlegt, ob ich weiter Aufklärung machen soll, oder ob ich es lieber lasse. Letztendlich betreiben die Zeugen die beste Aufklärungsarbeit die es gibt. Noch nie gab es so viele Aussteigewillige und Menschen die rausfliegen wie in diesen Zeiten. Dem immer heller werdenden Licht sei dank. Mit ihren Aktionen, mal intern, mal extern öffnen sie vielen Eingeschlossenen die Augen. Hinzu kommt noch die wirksame Öffentlichkeitsaktion. Selbst Menschen, die keine Zeugen sind, bekommen über Funk und TV und Internet die Nachrichten aus Amerika, England und Australien mit, wo über dutzende Mißbrauchsfälle berichtet wird. Massenweise Verkündiger und Älteste stehen vor Gericht und in Amerika müssen schon an einige Opfer Millionen Dollar Schmerzensgeld gezahlt werden.
Dann wurden viele ältere Bethelmitglieder einfach mal rausgeschmissen und durch Jüngere ersetzt und damit die lieben Kleinen auch nicht zu kurz kommen hat man mal eben aus dem Boden 2 Zeichentrickfiguren gestanzt, um mit groß betriebenem Merchandising die lieben Kleinen zu umgarnen.

Jaaa, da ist viel los bei Zeugens. Sollen sie machen. Ich werde das weiter am Rande verfolgen. So ganz bekommt man das nicht los. Ich stehe da am Rande, schaue auf das Schauspiel und grinse kopfschüttelnd zu dem Schauspiel was einem dort geboten wird. Das Gute ist, das es mich jetzt nicht mehr so tangiert.

Das Leben hat so viel mehr zu bieten. Wer von euch, wie ich, irgendwann aus diesem Verein ausgetreten ist, oder gehen musste, der soll das alles so gut wie es geht aufarbeiten und dann das Leben wieder in vollen Zügen genießen. Aufklärung ist gut, es gibt viele guten Seiten welche Aufklärung zu Zeugenhinhalten bieten. Anderen hilft eine Gesprächstherapie, wieder andere suchen Halt in einer neuen Konfession.

Für mich ist die Zeit der Aufklärung zu Ende. Es wurde alles gesagt, das was jetzt bei den Zeugen passiert ist die Sache einer anderen Zeugen-Generation. Ich bereue nichts. Auch nicht die Jahre bei den Zeugen. Es gehört zu meinem Leben. Es sind gemachte Erfahrungen aus denen man gelernt hat und gestärkt daraus hervorgegangen ist.

Viele Grüße
Stefanie


Wie ich mein schönstes Weihnachtsfest verbrachte

Ich war Interessierte und ging an einem Sonntag im Dezember das erste mal in die Versammlung. Ende Mai war ich ungetaufte Verkündigerin, und am 11. November darauf wurde ich getauft. Zwischen Erstbesuch im Saal und Taufe sowie Weihnachten lag nur ein gutes Jahr.

Nun war es so, das meine "geistige Mutter" die Renate zu mir sagte:,, Es ist das erste Jahr ohne Weihnachten für dich. Das muss besonders schwer sein, zumal du keine Verwandten in der Wahrheit hat wo du hingehen kannst." Damals waren alle die ich kannte keine Zeugen Jehovas. Was folgte war eine umständliche Ansprache darüber das Weihnachten ein heidnisches Fest sei ...bla bla blubb.... ich nannte es in späteren Zeiten "Die Weihnachtsgeschichte auf zeugisch". Jedenfalls wollte Renate das ich an diesen Tagen nicht so einsam bin, und wollte, das mir keine Gedanken aufkämen, das es bei den Eltern an Weihnachten doch schöner war. Sie hatten einen Brauch. An Weihnachten, wenn alle arbeitsfrei hatten, Schulferien oder Semesterferien, traf sich die gesamte Zeugenfamilie an allen drei Weihnachtsfeiertagen und verbrachte ihre Zeit. Und ich war in meinem ersten Zeugenjahr ein Teil davon.

Bevor ich schildere wie diese Zeit verlief muss ich die Zeit zurück drehen und schildern wie Weihnachten vor den Zeugen verlief, damit ihr versteht warum Zeugen Jehovas das eigentlich schönere Weihnachten feiern. (Zumindest in dieser Familie)

Früher war es so, das mein Vater und meine Mutter (wie jedes Jahr) sich am Nachmittag des 23 Dezembers zofften. Das war vorprogrammiert, weil A die Lichterkette verheddert war, weil sie irgendwer im letzten Jahr nicht richtig zusammen legte. Und weil mein Vater so viel Sinn von Ästhetik hat wie eine Dampflok. Hauptsache die Lampen sind im Baum, und es leuchtet. Für einen Mann reicht sowas, eine Frau kann damit aber nicht leben
Es gab Zoff, von 15 Uhr bis 18 Uhr. Spätestens beim Abendbrot war wieder Ruhe. Am 24 Dezember mutierten wir zu U-Boot Christen. Um 15 Uhr Kaffee trinken (Lebkuchen, Stollen, Plätzchen) um 16.30 Uhr evangelische Kirche, Nachmittagsmesse. Dann gings weiter um 18 Uhr Abendessen, Kartoffelsalat mit Würstchen. Danach Geschenke auspacken und TV...... Dann am 1 Feiertag gings ab zu Oma, Kaffee Trinken - Geschenke absahnen - sich ärgern über die Geschenke, aber niemals was sagen, weil wir sind gut erzogene Kinder, wir freuen uns über jedes Geschenk, egal ob es den Radiowecker das dritte Jahr hintereinander gibt. - Abendessen - TV..... Der 2. Feiertag wird ohne Geschenke verbracht. Kaffeetrinken und TV und Abendbrot spielen eine zentrale Rolle. ..... The same procedure as last year, the same procedure as every year!

Weihnachten und Silvester verliefen also weitestgehend gleich, hauptsächlich Essen und TV, mal unterbrochen von Geschenke bekommen und sich ärgern. Aber dann kam das erste Weihnachten bei den Zeugen Jehovas. Ich war eingeladen beim VA. Schon allein das brachte Ansehen. Aber was an diesem Tag passierte das hat mich geprägt und denke jedes Jahr aufs neue an diesen Tag.

Zuerst einmal wurde ich am Vormittag abgeholt. Da die gesamte Familie eintrudeln sollte, inklusive Verlobte und einige Freunde der Versammlung brauchte Renate Hilfe bei den Vorbereitungen. Wir backten Kuchen und Plätzchen. Das erste mal seit meiner Kindheit das ich Plätzchen gebacken hab. Es gab kein instant Zeugs, nein, richtig gebacken wurde. Dann wurde das Abendessen vorbereitet. Es gab Braten und Knödel und Rotkohl. Nichts typisch Weihnachtliches, aber dennoch gehoben. Da es nix zu dekorieren gab außer vielleicht Servietten falten und Kerze auf den Tisch stellen verlief das auch ziemlich normal. Dann trafen alle ein. Man kannte sich, also hatte man viel zu erzählen und zu berichten. Der eine Sohn war AIP in einer Tierklinik. Er brachte zwei Kätzchen mit die er vermitteln wollte. Die eine rückte mir nicht vom Pelz die hatte ich den ganzen Resttag am Hals. War aber niedlich. Wir gingen spazieren, was für ein wildes Geschnatter. Die Weiber gingen hinten, die Männer vorne. Alles angehende Älteste, und als Vater und "Patriarch" der VA vorneweg. Irgendwann kamen wir dann wieder beim Haus des VA an. Der Zusammenhalt war liebevoll, ebenso die Gesprächsthemen. Ich hatte nicht das Gefühl das das nur wegen mir gestellt war.
Es gab dann kurz Kaffee, gefolgt von einem kleinen Wachtturmstudium für den kommenden Versammlungsbesuch am darauffolgenden Tag. Naja in der Familie lernt es sich besser und es machte gemeinsam sogar etwas Spaß. Danach gab es kleine Grüppchen worin man sich unterhalten hat, ganz fernab von Zeugenkrams. Irgendwann gabs dann das üppige Abendbrotessen, also den Braten. Und im Anschluss einen Spieleabend vom Feinsten. Es wurden sämtliche Gesellschaftsspiele raus gekramt. Wir lachten, erzählten und spielten bis kurz vor Mitternacht, dann brachte Renate mich nach hause. Auf der Fahrt fragte sie mich noch, wie mir die Katze gefällt. Ich sagte kanpp das ich sie niedlich fand. Und da sagte Renate dann, das ich sie geschenkt bekomme, aber das sie sie mir heute noch nicht geben, weil das halt nicht aussehen soll wie ein Weihnachtsgeschenk.

Ich war von der Rolle. Es war ein rundum schöner Tag. Eigentlich das schönste Weihnachten das ich je hatte. Die Familie stand im Mittelpunkt, nicht das Essen und nicht das TV oder Geschenke. Es wurde nicht dekoriert, und ich habe die Deko mit den bunten Lichtern nicht vermisst. Ich vermisste nicht mal meine Eltern, wenn ich ehrlich sein soll. Es war entspannt, ruhig, und aufregend zugleich, und auch wenns nur auf Zeugenart war, ja es war auch besinnlich. Davor gab es niemals so einen Weihnachtsabend, und selbst danach hab ich das nie wieder so erlebt.

Morgen ist Weihnachten. Ich esse Würstchen mit Kartoffelsalat, und mal sehen, vielleicht verkloppe ich ein paar Elfen in einem Computerspiel....grins* So kann ich beides verknüpfen. Und dann gibts noch Streicheleinheiten für meinen Stubentiger, der mir aus jener Zeit erhalten blieb. Ich werde mich morgen auf jeden Fall an die Zeit von damals zurückerinnern, denn an einem Heilig Abend (wenn auch vormittags) besuchte ich zum ersten mal eine Versammlung der Zeugen Jehovas. Renate ist jung verstorben. Ihr Mann hat wieder geheiratet und hat die Versammlung gewechselt. Ob er jetzt noch VA ist entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich werden ihre Weihnachtstage, was ja Brauch war, in der Form nicht mehr existieren.

Dennoch schaue ich nach vorne, auch wenn ich Weihnachten derzeit allein bin. Ich habe einen Partner, der garnicht verstehen kann warum mir Weihnachten so wichtig ist. Er ist in der "Wahrheit" aufgewachsen und ebenfalls vor einigen Jahren Ausgestiegen. Er sieht Weihnachten mit zweierlei Maß. Einmal ist es für ihn ein Fest an dem es knallhart um Geld geht. Geld, Geschenke, Kommerz und Pomp. Zum anderen sieht er die religiöse Komponente, und da fühlt er sich nicht rein gehörend. Er hat es nicht anders kennen gelernt. Er kennt Weihnachten nicht und es ist sehr schwer die Gefühle zu vermitteln die ich dabei empfinde. Ich wünsche mir, das ich ihm nur einmal zeigen kann, das diese Zeit auch ohne Religion und auch ohne Kommerz erlebt werden kann. Vielleicht bekomm ich irgenwann die Gelegenheit dazu.

Ich wünsche allen Lesern dieser Gruppe ein paar schöne ruhige Weihnachtstage, egal ob ihr feiert oder nicht, genießt diese Zeit einfach, legt die Füsse hoch, und lasst den lieben Gott einfach einen guten Mann sein. Wir lesen uns alle im neuen Jahr wieder.

Wenn der Glaube zur Gewalt verleitet

  • oder wie Zeugen Jehovas Gewaltbereitschaft fördern


Ein Artikel (auch) über häusliche Gewalt



Ich arbeite als Erzieherin in einer größeren Kita. Vor kurzem hatten wir eine Fortbildung zum Thema „Häusliche Gewalt“. Als der Vortragsredner zu erzählen begann, zeigten sich bereits nach den ersten Sätzen Parallelen zu den Zeugen Jehovas. Der Vortrag und das Informationsmaterial inspirierten mich zu einigen Überlegungen, welche ich heute schriftlich festhalten möchte. Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Diana Engel, Autorin der Broschüre „Kinder leiden mit“ vom Arbeitskreis „Neue Erziehung e.V.“. Frau Engel schreibt:


Gewalt in der Familie ist ein Tabu-Thema für Betroffene und Außenstehende, Eltern, Kinder, Erzieher, Lehrer […] Was in der Familie geschieht gilt als Privatangelegenheit in die sich niemand einmischen möchte. Schließlich will man ja auch nicht von anderen vorgeschrieben bekommen was man zuhause zu tun und zu lassen hat […]


Dieser Satz steht in der Broschüre ganz am Ende, unter dem Punkt „Was Außenstehende tun können“Für mich jedoch muss dieser Satz ganz vorne stehen, gleich am Anfang, weil die Ursachen der häuslichen Gewalt bei Zeugen Jehovas meiner Meinung nach in der Einmischung seitens der WTG in das persönliche Leben begründet sind. Zeugen Jehovas haben viele Vorschriften an die sie sich halten müssen. Die WTG reguliert das Leben jedes einzelnen Zeugen, gibt Vorgaben den Lebens und setzt Maßstäbe darüber welches Verhalten richtig und welches falsch ist. Daraus entwickelt sich in einigen Bereichen zwangsläufig Gewalt. Nicht immer scheint diese Gewalt offensichtlich zu sein. Es ist nicht wie bei „normalen“ Fällen von häuslicher Gewalt, obwohl das auch vorkommt, wenn man die Rute der Zucht in Betracht zieht. Aber nicht jeder Zeuge wendet das automatisch so an.


Es gibt mehrere Arten von Gewalt. Je nachdem wie tief die Doktrin der WTG in einem persönlich verankert ist und die Glaubensmechanismen greifen, desto unterschiedlicher können die Arten der Gewalt sein, die Übergänge von einer Gewaltform zur anderen mag dabei fließend sein. Gewalt wird bei den Zeugen meist als Strafe angesehen. Strafe auf Fehlverhalten. Die Strafe wird dabei nicht offen ausgesprochen. Es sind immer Empfehlungen an die man sich halten muss. Tut man das nicht, dann handelt man gegen Jehova, gegen die WTG und gegen die Ältesten, seine Brüder und Schwestern. Die Empfehlungen wie man sich zu verhalten hat sind schriftlich festgehalten in den Publikationen der WTG. Da kommen Sätze wie man sich verhalten soll, Sätze über Dinge die man zu lassen hat, Richtlinien zur Durchführung gewisser Praktiken. Damit sind so Sachen gemeint, wie die Aufnahme von Blut, rauchen, das sexuelle Leben und und und. Die Liste könnte man beliebig fort setzen. Kommt eine Empfehlung seitens eines Ältesten, dann muss man sich daran halten. Tut man es nicht folgen Konsequenzen von peinlichen Befragungen, bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Nachfolgend liste ich Arten der Gewalt auf, wie sie bei der WTG bisher vorkamen und in teilen noch vorkommen, bevor ich später den Faden der häuslichen Gewalt wieder aufnehme. Nachfolgende Dinge werden von den Zeugen toleriert, auch wenn sie, direkt drauf angesprochen, es verneinen, oder beschwichtigen, das alles freier Wille sei.


Die körperliche Gewalt ist die schlimmste Form der Gewalt. Sie hinterlässt nicht nur Spuren in der Seele, nein auch Spuren am Körper. Körperliche Gewalt wurde und wird auch heute noch von den Zeugen Jehovas genutzt um zB Kinder gefügig zu machen. Es nennt sich die Rute der Zucht. Nicht jedes Kind wird geschlagen, es gibt Eltern, auch unter Zeugen da wird nicht geschlagen. Über den Klaps auf die Finger spreche ich hier auch nicht, obwohl das schlimm genug ist, nein, ich meine hier körperliche Züchtigung in Form von Bestrafungen bei der geschlagen wird. Wird ein Kind von den Eltern geschlagen, und ein anderer Zeuge bekommt das mit wird er nichts sagen, denn hier greifen Empfehlungen der Bibel und der Wachtturm Literatur. Ein Kind hat Jehova und seine Eltern zu respektieren, tut es das nicht, dann darf auch die Rute der Zucht angewandt werden.


Dann gibt es noch die sexuelle Gewalt. Diese beinhaltet nicht nur Vergewaltigung, nein auch eine Vielzahl von Nötigungen finden sich darunter. Und sei es nur, wenn man in einer Komitee Sitzung vor drei Ältesten sitzt und bis in kleinste Detail Rede und Antwort stehen muss, falls man mal fremd gegangen ist, bzw masturbiert hat. Denn beides ist in Augen der Zeugen mehr als verwerflich. Die Älteste die in dieser Sitzung dabei sein werden, erfragen die peinlichsten Sachen vom simplen Küssen bis zu Details diverser Stellungspraktiken. Meist folgt darauf der Ausschluss wenn man keine Reue zeigt. Das ist ganz besonders schlimm für junge Zeugen die ihre Sexualität entdecken möchten. Es ist verboten das zu machen, egal wie. Viele junge Zeugen heiraten daher früh, nur um endlich Sex haben zu dürfen. Und auch für Ehe und weiteres fortleben werden Richtlinien gegeben. Der Sex dient nur als Fortpflanzungsmittel. Spass steht dabei ganz hinten. Mal ganz abgesehen davon das Sexpraktiken wie BDSM, Rollenspiele und andere Dinge, ja ebenso Homosexualität komplett verboten werden.


Die ökonomische Gewalt ist weit aus öfter vorhanden bei der WTG. Ökonomische Gewalt bedeuten Verbote gewisse Arbeiten aufzunehmen die mit Blut, Tabak oder Waffen zu tun haben. Oder aber wenn junge Menschen ermuntert werden, eine Ausbildung anzunehmen, die nicht auf einer Uni oder Hochschule stattfindet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sollen sich Zeugen von allem fern halten was unrein ist oder schlechtes Gedankengut hervorbringen. Universitäten bringen den freien Grundgedanken hervor, regen die Jugend zum Nachdenken an, zum (Nach)Forschen und Hinterfragen der Dinge. Das ist für die WTG nicht gut. Wer zu tief im Dreck wühlt könnte wohl möglich etwas finden, und sei es nur die sprichwörtliche Leiche im Keller. Zum anderen aber kostet studieren viel Zeit. Zeit die man damit verbringen könnte von Haus zu Haus zu gehen um Wachttürme an andere Menschen zu bringen. Also gibt die WTG Richtlinien vor, an die sich jeder hält, weil es sonst eine Spirale unangenehmer Fragen nach sich zieht und man will ja nicht als schlechter Umgang gelten.


Psychische Gewalt herrscht vor ganz allein schon durch die Richtlinien der WTG. Ebenso die Soziale Gewalt. Beides geht einher, denn mit dem Ausschluss einer Person von der WTG verliert sie (fast) alle sozialen Kontakte, was psychische Probleme hervorrufen kann. Da mag bei einem die Ehe in die Brüche gehen, er sieht Frau und Kinder nicht mehr wieder. Es kommt zu einer Scheidung. Oder die eigenen Kinder werden verstoßen, weil sie eben nicht den Weg der WTG beschreiten wollen. Oder durch einen Fehler hat man etwas gemacht das laut Zeugen Jehovas einen Ausschluss rechtfertigt. Das Ende vom Lied ist fast immer gleich. Man geht in die soziale Isolation. Dieses Vorgehensweise ist aber nicht nur für denjenigen schlimm der Abstand von der WTG nimmt. Nein sie ist auch für den Rest der verbliebenen schlimm. Und auch gleichzeitig eine Drohung, denn so sieht man was einem selber droht, wenn man vom rechten Wege abkommt. Nicht viele Menschen, die den Absprung geschafft haben, oder gegangen wurden hatten hinterher Schwierigkeiten sich wieder in der Gesellschaft zurecht zu finden. Psychologen werden aufgesucht die sich dieser besonderen Problematik annehmen. Probleme auf dem psychischen Sektor treten aber auch noch in anderen Bereichen auf. Die Art der Publikationen, die Schreibart und Gestaltungsweise können Ängste hervorbringen. Es wurde mal die Verwendung des Wortes Harmagedon, Dämonen und Satan in einem Wachtturm gezählt. Mehrere hundert Male traten diese Wörter auf. Meist auch in einem Zusammenhang in der von Beispielen erzählt wird in der Personen in eine Art Bedrängnis kommen. Etwas schlimmes passiert, entweder ein Fehlverhalten, oder eine andere Katastrophe des Lebens tritt zutage und immer ist Satan dran schuld. Entweder man wird von Satan und den Dämonen verführt, oder angegriffen, oder die Umstände sind so gravierend das Satan Angriffe führt und und und. Damit man gegen Satan gewappnet ist kommen dann Vorschläge wie man sich zu verhalten hat, damit das alles nicht ganz so schlimm wird. Durch solche Artikel wird Angst aufgebaut, das Verhalten dadurch beeinflusst und durch die Empfehlungen in andere Bahnen gelenkt. Und wer glaubt das das so nicht stimme sollte versuchen einen Studienwachtturm in die Hände zu bekommen, oder vielleicht eins der Kinderbücher. Eltern würden ihre Kinder nicht unbedingt Horrorfilme schauen lassen, aber die Abbildungen in den Kinderbüchern sind so Detailgetreu, da kommt es aufs gleiche raus. Da fließt Blut, da ertrinken Menschen, da liegen Menschen auf dem Boden während ein anderer sich über den Menschen beugt und den am Boden liegenden mit einem Stein erschlagen will. Dabei sind die Gesichter nicht einfach Zeichentrick oder Comic Gesichter, nein man kann die Angst und die Gefühle in der Mimik der jeweiligen Personen erkennen. Für Kinder kann das mitunter schrecklich sein, vor allen Dingen weil sie in jungem Alter alles noch für bare Münze nehmen. Sie wissen nicht das diese Dinge tausende von Jahren her ist. Sie erlernen, wenn man böse ist mag mich Jehova nicht, und böse Menschen wird Jehova vernichten. Über die psychische Gewalt könnte man noch so viel Schreiben, aber ich lasse es erst mal dabei.


Das waren einige Stufen der Gewalt, wie sie bei den Zeugen Jehovas vorkommen können. Nun muss der Bogen wieder in Richtung häusliche Gewalt gespannt werden. Hierzu werde ich mit dem Beispiel einer Familie arbeiten. Es ist eine typische Familie, wie sie in jedem Königreichsaal vorkommen kann. Familie Mustermann. Vater, Mutter, ein kleines Mädchen von 5 Jahren, ein Junger Bub von 9 Jahren. Die Situation startet zuhause und endet dort auch wieder, mit einem kurzen Aufenthalt im Königreichsaal. Viele der nachfolgenden Dinge mögen Klischees beinhalten, aber dieses Beispiel kann man in so vielen Berichten lesen, wo Menschen ihre gemachten Erfahrungen mitteilen.


Es ist Freitag. Freitags findet eine Dienstzusammenkunft im Königreichsaal statt und anschließend noch die Theokratische Predigtdienstschule. Für die, welche das noch nicht wissen sei kurz gesagt, eine Dienstzusammenkunft ist ein Treffen bei denen Belange der WTG oder der jeweiligen Versammlung besprochen werden. Die Theokratische Predigtdienstschule kann man als Marketing Meeting sehen, bei dem man lernt, den Wachtturm an den Türen zu verkaufen, und Jungen und Männer erlernen noch, wie sie Programme auf der Bühne vorzutragen haben.


Die Mustermanns kommen zu spät in den Saal. Die anderen stehen bereits Spalier zum Gebet. Sie drängeln sich irgendwo in die Mitte der Sitzreihen, wo noch drei Plätze vorhanden sind. Die Mutter ist schuld das sie zu spät sind, sie kam zu spät aus der Arbeit weg, weil sie für eine Kollegin einspringen musste und landete erst mal im Stau. Der Vater war gezwungen die Kinder zu kleiden, was sonst nicht seine Aufgabe ist. Dadurch fiel das Abendbrotessen aus. Die Kinder sind quengelig, haben Hunger und sind auch müde. Sie hatten einen langen Tag. Der Junge war bis 16 Uhr in der Schule, das Mädchen ebenso lange im Kindergarten. Sie haben Mama nicht gesehen, sind müde vom Toben und haben Hunger. Der Vater ist genervt und im Stress.

So gehen sie in den Saal und Schwester Denunziant beäugt das Vorgehen argwöhnisch, auch andere im Saal schütteln den Kopf. Sie wird nachher die erste sein, die sich an die Ältesten wendet, weil sie viele verwerfliche Dinge bei Mustermanns in der Vergangenheit beobachtet hat. Natürlich haben die Ältesten die Verspätung mitbekommen. Da das schon ein paar mal vorgekommen ist werden sie sich Bruder Mustermann nach dem Versammlungsbesuch „liebevoll“ vornehmen. Aber noch ist es nicht soweit. Nach dem Gebet hat sich die Aufregung gelegt, aber Ruhe will nicht einkehren. Der Junge ist nervös. Er muss in der kommenden Stunde aus der Bibel vorlesen. Er mag das nicht, aber er ist dran. Der Kleine scharrt abwechselnd mit den Schuhen auf dem Boden entlang was ein komisches Geräusch macht. So lenkt er sich ab. Er ist so zappelig das Mamas Tasche vom Nebensitz purzelt. Geräuschvoll fallen einige Bücher die sie für ein Buchstudium benötigen und einige Bilderbücher auf den Boden.

Nach einem drohenden Blick und einer schnellen Geste seines Vaters hebt er die Bücher auf und stellt die Tasche zurück auf den freien Stuhl. Die Schwester ist mittlerweile am rumzicken. Sie ist mitten in der Trotzphase, außerdem ist sie müde und hungrig. Es ist fast 21 Uhr. Sie sind schon seit einer Stunde im Saal und eine weitere Stunde müssen sie noch ausharren bis es nach Hause geht. Aus dem rumzicken wird ein wütendes gezappel und ein Gesangbuch wird trotzig auf den Boden geworfen und die Mutter registriert in der Nachbarreihe wie einige Schwestern sich kopfschüttelnd in Richtung des Kinderweinen drehen. Die Mutter steht auf, packt das Kind und geht mit hochrotem Kopf in Richtung Nebenraum. Dieser ist durch eine schalldichte Tür gesichert. Es sind auch Fensterscheiben zum Saal vorhanden, aber da sind die Vorhänge zugezogen. Die Mutter versucht erst beruhigend auf das Kind einzureden, aber da die Kleine nicht aufhört folgen Drohungen. Die Kinderserie darf nicht mehr geschaut werden, das Kind gehe ohne Essen ins Bett und das Lieblingsspielzeug wird verschwinden. Das Kind hört dennoch nicht auf rumzubocken und Krach zu machen. Spätestens nach „ich hab dich nicht mehr lieb“ seitens des Mädchens greift die Mutter den Arm, sieht das Kind über Knie und klatscht ein paar mal kräftig auf den Hintern und kommentiert das mit dem Satz, das Jehova das Kind dann auch nicht mehr lieb hat und das Kind mit dem Bock eh nicht ins Paradies kommt, denn Jehova mag nur Kinder, die lieb sind zu ihren Eltern und den anderen Brüdern und Schwestern. Das Kind ist danach ruhig, denn es weiß bereits, wenn es weiter macht wird es schlimmer. Den Rest der Zusammenkunft wird es ruhig auf ihrem Stuhl sitzen und nichts mehr sagen. Sie schläft später ein, was von einigen älteren Schwestern negativ aufgefasst wird.

Noch ein paar mal wird der Junge unangenehm auffallen bevor er auf die Bühne darf. Ein paar mal rufen Leute irgendwo aus dem Saal „psssst“ Der Vater ist verärgert und knufft das Kind in die Seite. Beim letzten mal so dolle das dem Jungen Tränen in die Augen steigen. Aber danach ist er still und rührt sich nicht mehr. Dann nach einiger Zeit geht er mit seiner Bibel an das Pult auf der Bühne um eine kurze Stelle aus der Bibel vorzulesen. Er stottert. Er ist kein guter Leser. Hat Angst vor Leuten zu lesen und mag nicht wenn sie ihn alle anstarren. Das macht ihn noch nervöser als er ohnehin schon ist. Alles in allem war es schlecht vorgelesen und vorher nicht geübt. Der Älteste der nach dem Jungen den nächsten Programmpunkt ankündigt gibt ein kurzes Feedback ab, aber da war nichts mehr zu machen. Kurz nach der Versammlung wird der Vater in den Nebenraum gerufen, wo drei Älteste auf ihn mahnend einreden. So lotterhaft wie es in den letzten Wochen lief ist er kein gutes Beispiel für andere junge Männer in der Versammlung. Auch führt er sein Amt als Familienoberhaupt nicht richtig aus. Wenn die Kinder jetzt schon negativ auffallen, wie soll das erst werden wenn sie älter werden. Die Älteste teilen mit, das die Familie vielen Brüdern und Schwestern negativ aufgefallen ist. Sie reden mahnend auf ihn ein das das so nicht weitergehen darf, ansonsten wird das Konsequenzen haben. Es wird gebetet und ein Hirtenbesuch vereinbart um auch mit der Mutter und den Kindern zu reden. Natürlich alles unter dem Deckmantel der Liebe. Nach dem Gebet wird sich kurz verabschiedet und dann fährt man Heim. Die kommenden Wochen und Monate werden nicht gut ausfallen für die Familie. Von oben herab kommt der Druck und der wird nicht vor der Frau und den Kinder halt machen. Sie werden alle noch kürzer gehalten als ohnehin schon. Es wird mehr studiert, mehr mit den Kindern gelernt, Freizeitaktivitäten werden noch mehr eingeschränkt und das Pensum des Predigtdienstes wird erhöht. Diverse Spielzeuge der Kinder werden genauer unter die Lupe genommen und gegeben falls entsorgt. Man nimmt den Kindergarten des Mädchens genauer unter die Lupe und man entscheidet sich, das das Kind raus genommen wird. Die Mutter wird ganz aus der Arbeit hinausgehen und in den Vollzeitpredigtdienst gehen. Das Mädchen wird mitgenommen in diesen Dienst, weil sie dort lernt, wie man für die WTG arbeiten kann. Spuren die Kinder nicht wird mit Liebesentzug und Drohungen seitens der Eltern gearbeitet, bis die Kinder wieder in der richtigen Spur laufen, notfalls auch mit körperlicher Gewalt in Form von Schlägen. Das Bild einer Vorzeigefamilie muss erhalten werden und jeder muss sein Verhalten korrigieren. Damit das klappt wird die Familie von den Hirten (Ältesten) immer wieder besucht und auf den rechten Weg wieder eingestimmt. Dazu bekommen sie Publikationen, in denen der Wille Jehovas geschrieben steht. Regelungen zum Verhalten, aufmunternde Worte die zeigen sollen, wie die WTG gewisse Dinge handhabt, und Beispiele, wie man das eigene Verhalten und das der Familie so weit regulieren kann, das es mit der WTG Konform geht


Dieses Beispiel ist eins, das aus vielen Beispielen zusammen gewürfelt wurde. Es zeigt wie sich der Druck von oben auf die Familie aufbaut, zeigt wo die Grundlage zur häuslichen Gewalt bei den Zeugen Jehovas zu finden ist. In dem anfangs erwähnten Zitat ist die Rede davon, das sich fremde Personen bei häuslicher Gewalt nicht einmischen. Bei den Zeugen Jehovas ist das anders herum. Die mischen sich so lange ein bis sie die Leute genau da haben wo sie sie hin haben wollen, ja und wenn das halt mit Gewalt ist, dann ist ihnen das auch Recht. So etwas nennt man Verhaltenskontrolle. Das einzelne Mitglied wird von oben herab kontrolliert. Sei es durch die Ältesten, durch die Brüder und Schwestern, die auch vor denunzieren nicht zurückschrecken, sei es durch den Vater der Druck auf die Frau ausübt und die Mutter die Druck auf die Kinder ausübt. Die Vergangenheit zeigte immer wieder mal, das die WTG Gewaltverbrecher in den eigenen Reihen eher schützte als an die Polizei auslieferte. Die weiße Weste muss nach außen gewahrt bleiben.


Bei „normaler“ häuslicher Gewalt weiß das Opfer, das da was nicht stimmt. Es schämt sich, und versucht die Dinge zu verheimlichen, oder zu beschwichtigen, das alles nicht so schlimm sei. Bei den Zeugen Jehovas ist das nicht der Fall. Das Opfer weiß hier schon nicht mehr das da etwas nicht stimmt, denn es erkennt nicht, wo die Problematik liegt. So kann es auch nichts unternehmen um sich zu wehren. Der Vater und die Mutter lassen diesen Zustand zu, denn sie tun es für ihren Glauben. Sie sehen darin auch nichts verwerfliches, denn sie haben ein Ziel, eine Belohnung vor Augen. Je besser sie laufen, desto realistischer wird für sie das Leben im Paradies. Das Verhalten wird von den Zeugen toleriert und noch ermuntert weiter zu machen. Das Kind lernt es nicht anders, es wächst in die selben Verhaltensmuster rein. Weiter noch, durch die Publikationen welche von schlimmen Bildern durchzogen ist, ebenso die Predigten, welche von Geschichten und Beispielen rund um Harmagedon und Satan und totaler Vernichtung nur so strotzen wird weiter Angst erzeugt. Dadurch kann es zu seelischen Verletzungen kommen. Diana Engel spricht hier von einem Klima der Gewalt in dem es für die Kinder keinen Schutz und keine Sicherheit geben kann.


Das schlimme an der Sache ist, das die Kinder auch lernen das es völlig normal ist sich so zu verhalten. Während die Eltern vielleicht erst später zu den Zeugen kamen und dieses Verhalten erst mühsam ankonditioniert bekamen, dort also ein Umdenken einsetzen musste ehe sie so handeln, wachsen die Kinder damit auf. Für sie ist diese Art der Gewalt normal, und es kann sein, das sie in der nächsten Generation ebenso bei ihren eigenen Kindern handeln. Und noch etwas entwickelt sich bei den Kindern. Die Bereitschaft andere zu denunzieren. Das kann auch auf die Eltern zurück schlagen, oder macht auch vor leiblichen Geschwistern keinen halt.


Es könnte vorkommen, das ein Elternteil sich aus der Gemeinschaft löst. Vielleicht merkt das Elternteil das da was nicht stimmt und versucht aus dieser Situation zu bekommen. So entstehen neue Ängste. Wie wird das andere Elternteil reagieren? Man liest immer wieder Berichte, bei dem ein Elternteil seine Kinder nicht mehr sehen darf, weil es die Glaubensgemeinschaft verlassen hat. Das weckt neue Ängste in den Kindern, aber auch in dem gehenden Elternteil.

Durch die Herangehensweise der Zeugen Jehovas scheint mir die Gewalt größtenteils im psychischen Bereich zu liegen. Aber egal um welche Arten der Gewalt es geht, sie gehört was die Kinder betrifft verboten. Kinder haben das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung, auf ein gewaltfreies Leben innerhalb ihrer kindlichen Welt. Und dieses Recht ist festgehalten im Gesetz. Dafür stehen Paragraphen wie § 1631 Abs 2 wo steht, das es verboten ist das Kind körperlich zu bestrafen oder seelisch zu Verletzen, oder andere entwürdigende Maßnahmen durchzuführen. Sollte es dennoch soweit kommen, können Gerichte Maßnahmen zum Schutz der Kinder durchführen (§1666 u. §1666a) was da zB die Entfernung eines Elternteils aus der Wohnung ist, oder die Trennung von Eltern und Kind.


Das Problem an der Sache ist, das das Kind nicht merkt das was nicht stimmt und die Eltern sehen sich im Recht und wollen nicht sehen das sie falsch handeln. Die Versammlungsmitglieder bestärken sie noch und wenn einer überhaupt was merken kann, dann ist es evtl. ein Vertrauenslehrer oder eine nahe Person die aber keinen Einfluss auf die Familie hat. Außenstehende werden in der Regel gut erzogene Kinder sehen, in einer Bilderbuchfamilie, essen Weste so rein ist, das nichts sie erschüttern kann.


Ein gutes gibt es aber doch zu vermelden und das ist die Sicht auf die Zukunft. In den letzten Jahren sind immer mehr Zeugen ausgetreten, Tendenz steigend und der eigene Nachwuchs wird durch die Primarstufen und weiterführende Schulen gut aufs Leben vorbereitet, so das der eigene Nachwuchs nicht unbedingt die Taufe erlebt. Bis dahin ist es ein harter Kampf für die Kinder und Jugendlichen.

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Dieser Blog existiert auch bei Facebook, damit auch nicht Blogger eifrig mitlesen können. Heute hat mir ein junger Mann geschrieben, welcher den Blog verfolgt. Er hat den Blog auf seiner Seite verlinkt, was ich auch mit seiner Seite auf diesem Blog machen werde. Für diejenigen die lieber hier lesen als im FB schreibe ich den Link auch hier rein, damit ihr bei Interesse auch dort lesen könnt. Lasst euch nicht abschrecken vom Namen der Seite, es handelt sich dabei um Aussteigerberichte, also Erfahungen des jungen Mannes die er während seiner Zeit bei den Zeugen machte. Bis dann, habt alle ein schönes Wochenende

http://geistigkrank.wordpress.com/

 

Siehe auch auf der linken Seite unter LINKS

JZ vs. Schule

Heute mal etwas aus Bereich der Bildung.....
Ich als Erzieherin muss genau überlegen, wie ich den Jahresalltag der lieben Klleinen herumbekomme ohne das zu viel gebastelt und gesungen wird, was nicht gut für die kleinen Kinder von Zeugen Jehovas ist. Dann kommt noch hinzu das man ständig achten muss was gegessen wird und was nicht. "Tote Oma" kommt aus 2 Gründen nicht auf den Teller... zum einen wegen dem Namen, zum anderen weil Blutwurst drin ist. Und während die anderen Kinder sich um die Schüssel fast förmlich kloppen, sitzt das Zeugenkind vor einem mit Kartoffeln und Sauerkraut..... man gut das nicht nur ich solche Probleme habe, oder sollte ich sagen schade....?

http://www.sueddeutsche.de/bildung/lehrer-blog-ich-will-nicht-in-die-schule-1.1770682

Erstwähler ?/!

Heute beschäftigen wir uns mal mit den anstehenden Wahlen. Für viele ehemalige wird es dieses Jahr das erste mal sein, das man wählen gehen darf. Es ist keiner mehr da, der einen das verbieten kann. Wer die Wahlbenachrichtigungskarte grade bei der Hand hat mag sich vielleicht überlegen, ob er hin geht oder nicht.
Wählen ist nicht so kompliziert wie es scheint. Es gibt 2 Arten der Wahl. Man kann Briefwahl machen, oder ins Wahllokal gehen. Wo das nächste Wahllokal ist steht auf der Benachrichtigungskarte. Ich hingegen finde die Briefwahl zu aufwendig und zu zeitintensiv. Karte ausfüllen, zur Post wetzen, abwarten bis Antwort kommt, alles ausfüllen, nochmal zu Post wetzen.... Mir ist das zu kompliziert, aber für jemanden der nicht unbedingt beim ersten mal in Gegenwart von anderen wählen gehen will, sondern sich das in aller Ruhe erst mal anschauen will, für den ist das genau richtig, naja und für Leute die halt arbeiten müssen. Ich gehe lieber Sonntags spazieren, marschiere am Wahllokal vorbei (Lokal beschreibt nicht Kneipe oder so, sondern meist Rathäuser, Schulen oder Stadtsaal).
Man bekommt unterschiedliche Zettel. Manch einer fragt sich, wo setze ich jetzt Kreuze und wie viele. Auch das ist relativ einfach. Oben drüber steht genau, wie viele Kreuze man machen kann.
Für die Bundestagswahl hat man normalerweise 2 Stimmen, also sprich 2 Kreuze die man machen kann. Erststimme und Zweitstimme. Ein Kreuz für die Person, und ein Kreuz für die Partei. Dabei ist es unwichtig ob Partei und Person identisch sind. Manch einer mag sagen, ich mag Politiker Mustermann weil der viel geleistet hat in der Vergangenheit, aber die Musterpartei ist nicht so mein Fall, die gibt zu viel Geld aus, dann wählt man halt unterschiedlich. Manchmal bekommt man noch Zusatzzettel für Kommunalwahlen oder anderes. Auch da ist auf dem Zettel oben genau angegeben wie viele Stimmen man wo abgeben kann. Oft auch mit Pfeilen angedeutet.

Ungültig werden Wahlzettel wenn man mehr Kreuze macht als vorgegeben, oder wenn man es zu kompliziert faltet, wenn man seinen Namen draufschreibt oder ein Kreuz vergisst, oder Politiker bepöbelt...
Ein Irrtum das sich hartnäckig hält ist, das wenn man nicht wählen geht, oder den Wahlzettel ungültig abgegeben hat deine Stimme eine andere Partei bekommt, oder wohlmöglich die falsche Partei die Stimme bekommt. Das ist ein Irrtum der Schlichtweg falsch ist.
Zitat Focus: "Doch ungültige Wahlzettel haben auf das Parlament genauso viel Einfluss wie nicht wählen zu gehen – nämlich gar keinen."
Hier gehts zum ganzen Artikel: http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2009/bundestagswahl/tid-15526/bundestagswahl-irrtum-6-ungueltige-stimmzettel-beeinflussen-die-wahl_aid_435941.html

Damit es in der Wahlkabine schnell geht empfehle ich zu einer Zeit hinzugehen, wo nicht viel Andrang ist. Mittagszeit ist sehr beliebt, weil viele dann denken, die sind alle beim Essen und es ist leer dort, aber dem ist meist nicht so. Und man sollte sich vorher sicher sein was man wählen möchte. Hierzu beachte man man die politischen Nachrichten und bilde sich eine Meinung. Am Wahltag selber bin ich nie länger als 5 Minuten dort.

Viel Spass/Glück/Freude beim (Erst)Wählen.....

Sommerpause zuende.....

..... und ich melde mich mit einer kleinen Geschichte zurück. Die Ereignisse dieses Sommers haben mich gedanklich in die aktive Zeugenzeit versetzt. Wie war das damals als ich im Predigtdienst war? Nunja, ich glaube ich verarbeite gewisse Dinge auf meine eigene Art und Weise. Mit einem gewissen Schmunzeln verbinde ich das eine mit dem anderen, und wie an jeder Geschichte sind einige Dinge wahr, andere Fiktion.

                             Im Geheimen Auftrag.....

Ich bin Silvi. Aber das bin ich nur Zuhause oder auf Arbeit. Eigentlich führe ich ein Doppelleben. Ich bin Unterwegs im Geheimauftrag. Ich bin ein knallharter Agent, immer auf der Suche. Mein Deckname ist Sulamith und ich bin unterwegs im Auftrag von Big J.

Big J. ist ein großartiger Auftraggeber. Ich werde immer wieder motiviert auszuschwärmen mit vielen anderen die so sind wie ich. Wir arbeiten immer zu zweit, schon allein wegen der Gefahr erwischt zu werden. Eine andere Agentin, ich nenn sie mal Isebell, zog einmal alleine los. Sie verließ ihre Deckung, klingelte an einer Haustür und da geschah es. Ein aüßerst gut aussehender Mann Mitte 30 zog sie ins Haus, verführte sie und zwang sie unter sexueller Folter (ich kann leider nicht ins Detail gehen. Meine Vorgesetzten verbieten es offen darüber zu reden, so bleibt es halt ein Geheimnis) seine Ehefrau zu werden. Isebell war hinterher nicht mehr die selbe. Wir haben sie an den Feind verloren. Sogar unsere Vorgesetzten aus der Infozentrale konnten nichts mehr machen.

Seit diesem Tage dürfen wir nur noch zu zweit los. Aber auch nur noch mit gleichgeschlechtlichen Partnern, weil die Vorgesetzten überein kamen, das man auch dem eigenen Personal nicht trauen darf. Man kann Männern einfach nicht trauen. So ist das. Ich selber schaue keine Männer an. Nur für Big J. würde ich eine Ausnahme machen, aber man bekommt ihn nie zu Gesicht. Er ist halt ein vielbeschäftigter Mann. Ich vermute mal, das er getarnt arbeitet. Wir bekommen immer neues Licht von ihm, daher gehe ich davon aus, der er unter anderem beim Elektrizitätswerk arbeitet. Oder in einer Glühbirnenfabrik. Man weiß es nicht. Nachforschen ist nicht erlaubt. Wer selber nach Big J. forscht, oder versucht ihn oder einen seiner engsten Mitarbeiter zu finden, der wird abgemahnt, ja sogar aus der Gemeinschaft aktiver Agenten entlassen. Und am Ende steht man einsam und verlassen da und sein wir mal ehrlich, ein Agent ohne Auftraggeber, was für ein langweiliger Job!!!!

Jeden morgen mache ich mich bereit zur Arbeit. Ich esse Frühstück, lese schnell das tägliche Losungswort durch (jeden Tag ein anderes, denn jeder Tag ist speziell anders, da will man ja schließlich auch immer auf der richtigen Seite sein und richtig informiert sein.) Dann kommt das anlegen der Berufskleidung. Ich trage Berufskleidung die sicher stellen soll, das mir nicht das selbe passiert wie der armen Kollegin Isebell die da in die Ehe entführt wurde. Ich bin im Vollzeitdienst unterwegs, das heißt ich muss immer Up To Date sein was die Sicherheitsvorschriften betrifft. Man wird ja nur einmal Agentin für Big J., das darf ich mir nicht verscherzen.

So lege ich auch heute meine Dienstkleidung an. Ich trage einen knöchellangen marine-blauen Rock, welcher den Po nicht betont, aber auch keine wilden Muster zeigt. Er darf auch nicht weit schwingend sein. Wegen der Windgefahr. Aber zur Vorsicht (man weiß ja nie wie windig es wird) trage ich einen grauen Feinripp Schlüpfer für Damen. Meine Mutter hat immer gesagt, wenn du unterwegs bist trage immer saubere Unterwäsche, es könnte ja sein das du stirbst. Und Recht hat sie. Ich möchte Big J. nicht gegenüber stehen und nicht sauber sein... das geht mal gar nicht.
Zu meinem Rock trage ich eine weiße Bluse mit einem hochgestellten Kragen, eine marine-blaue Strickweste und darüber eine Kord-Jacke. Keine Schminke!!!! Keine Stöckelschuhe!!!! Der Absatz darf nicht höher sein als einen Zentimeter. Man muss jederzeit bereit sein zu flüchten. Man stelle sich mal vor man klingelt irgendwo und jemand der so aussieht wie Antonio Banderas macht die Tür auf. Da muss man rennen können, ehe man Gesichtsentgleisungen bekommt und der Sabber anfängt zu laufen. Rennen muss man aber auch bei Hunden die einem im stehen in die Augen blicken können, oder bei Hunden die beim Grinsen längere Zähne als 3 Zentimeter aufweisen, bei Jugendlichen die schwarz rumlaufen, oder wenn aus dem Hause andere Musik ertönt als Klassik oder Schlager.

Kommen wir zu meinen Waffen. Zuerst mal meine wichtigste Waffe, das ist meine Intelligenz. Ich werde von Spezialisten geschult. Wöchentliches Training machen mich fit für meinen Auftrag. Was das für ein Auftrag ist, dazu komme ich später noch. Ich werde geschult für Theo(krat)(r)ie und Praxis. Big J. schickt nur seine fähigsten Leute hinaus ins Feld. Möchtegerns und Interessierte lässt er allenfalls mal schnuppern, aber auch sie können sich ja noch Qualifizieren für die Wildnis da draußen. Wenn ich da draußen bin arbeitet meine Intelligenz wie ein Uhrwerk, da lass ich es auf nichts ankommen. Ich habe ein schwarzes Handbuch, darin steht alles drin was ich wissen muss. Aber das muss ich nicht unbedingt nutzen. Ich weiß auch so wie die Ansprüche sind die Big J. an mich richtet. Immerhin habe ich in meiner frühesten Kindheit damit angefangen.
Zu meiner Intelligenz benötige ich noch einige andere Dinge. Eine Tasche für weiteres Arbeitsmaterial. Ich führe immer ein Büchlein mit mir rum. Dazu aber später mehr. Einen Stift brauch ich noch, und gaaaanz wichtig ist natürlich auch die Lektüre. Ohne die verlasse ich niemals das Haus. Zusatzbücher mit bunten Bildern drin, kleine braune Umschläge für Gelder die ich einkassieren muss, und gaaaanz wichtig ist auch mein Berichtszettel. Jede Stunde muss sorgsam berichtet werden. Man stelle sich mal vor ich vergesse eine Stunde zu berichten. Am Ende geht die Rechnung nicht auf und ich hab Minusstunden. Das gute ist ja, ich kann den Berichtszettel meiner Kollegin unter die Nase halten. Die wird dann immer schön grün vor Neid. Naja, aber um nochmal auf die Briefumschläge für die Gelder zu kommen... Ich bin kein Geldeintreiber. Die Leute geben mir eh nix. Aber das macht nichts. Ich gebe von meinem Geld etwas hinein und stecke es in der Kommandozentrale in einen extra dafür vorgesehenen Kasten. Ich kann das nicht anders. Die Leute sind nicht willig Geld zu geben, oder haben selber keins. In einem Traum sagte Big J. einmal zu mir, ich sei zu gut für diese Welt. Seitdem stecke ich immer noch ein paar Mäuse mehr in den Umschlag.

Meine Verkehrsmittel sind gut gewählt. Ich lass mich von meiner Kollegin abholen, oder wenn sie nicht kann nehme ich auch schon mal das Rad. Da kenne ich nichts, bei Wind und Wetter bin ich draußen. Gemeinsam fahren wir zu unserer Kommandozentrale. Big J. hat viele dieser Zentralen. Im ganzen Land. Wir sind breit verstreut über die gesamte Republik, ach was sag ich, über die ganze Welt. Wir sind staatlich anerkannt denn wir haben den ultimativen Darfschein. KÖRPERSCHAFTSRECHTE !!!!!!
So holen wir unsere tägliche Portion Motivation ab, sozusagen den Segen von Big J.. Dann geht’s ab ins Feld.

Wer nun denkt wir gehen da von Tür zu Tür, und klingeln die Leute zu unmöglichen Zeiten an, der irrt. Ganz so einfach ist es ja nun auch nicht. Man klingelt nicht einfach und sagt: Hallo, ich möchte mit ihnen über Gott und die Welt reden... Das geht so nicht!!!
Da gehört schon mehr dazu, sehr viel mehr. Man kann nicht einfach an die Türen gehen. Das wäre viel zu gefährlich. Erstmal muss man die Lage inspizieren. Man geht mit einer erfahrenen Agentin ins Feld und beobachtet. Dann macht man sich Notizen, zuhause verdoppelt man die und reicht sie der Kollegin in Kopie weiter für ihre Unterlagen. Doppelt abgesichert sozusagen. Es kann ja sein das eine verhindert ist, dann muss man selber in der Lage sein die Ersatzkollegin richtig im Feld einzusetzen. Dazu die Notizen.... unter anderem.

Die erfahrene Kollegin verwickelt das vermeintliche Opfer erst mal in ein Gespräch. In der Zeit muss ich beobachten. Die Umgebung. Wie sieht sie aus? Ist der Vorgarten gepflegt? Stehen da satanische Symbole drin, zB kleine Gartenzwerge? Was für ein Auto steht vor der Tür? Gallopiert ein großes Kalb a´la Irischer Wolfshund munter durch den Vorgarten? Das sind essentielle Dinge die man wissen muss. Zum einen um sich zu schützen, zum anderen, um mit dem Hausbesitzer ins Gespräch zu kommen. Bei Wohnungsbesitzern muss man wiederum auf andere Dinge achten. Wie sieht der Flur aus? Was für Kleidung hängt an der heimischen Garderobe? Vielleicht Arbeitskleidung? Hängen Bilder an der Wand, oder ist es schmutzig im Flur? Interessant sind auch die Gerüche die einen aus der Wohnung entgegen kommen. Wenn man in der ersten Minute schon High wird vom Geruch sollte man schleunigst die Beine in die Hand nehmen. Ist es allerdings so, das sich nur der Würgereflex einstellt, so ist das noch kein Grund zur Flucht. Alle Informationen die man sammelt sind dafür gedacht die Menschen in ein Gespräch verwickeln zu können. Diese Informationen sind Hilfe zur Kontaktaufnahme, Schutz vor Satan, und man erkennt duch die Informationen, ob man vor sich eventuell einen interessierten neuen Rekruten hat, oder einen neuen Informanten der sich in der Nachbarschaft auskennt.

Das was man da in Erfahrung bringt schreibt man nach dem Besuch an der Haustür fein säuberlich in ein Büchlein. Später für die Kollegin nicht die Kopie vergessen!!! Dann geht’s weiter. An der nächsten Tür ist Omma Paschullke. Sie wartet darauf das wir alle 2 Wochen bei ihr vorbei kommen. Omma Paschullke ist unser geheimer Informant. Sie kennt die Gegend wie keine andere. Wir versorgen sie mit allem möglichen, meistens jedoch mit geistiger Speise und Aufmerksamkeit, das hat sie nämlich selten bis nie. Die Enkel kommen immer nur um Geld abzustauben. Und für die Zeit die wir für Omma Paschullke einsetzen bekommen wir die Informationen die wir benötigen. Sie kennt jeden Nachbarn. Wir brauchen nur die richtigen Informationen aus ihr heraus kitzeln. So wissen wir zum Beispiel das in dem Haus nebenan ein verheirateter Mann wohnt. Er arbeitet von morgens bis Abends um das Geld nach Hause zu bringen. Omma Paschullke ist allerdings wenig begeistert von der Frau. Sie hat einen Liebhaber. Da kommt immer ein Mann am Vormittag den sie im Morgenmantel an der Haustür empfängt. Der Mann kommt erst Abends wieder. Ich notiere in mein Heft das wir es Abends nochmal an dem Haus versuchen, dann ist der Mann zuhause. Omma Paschullke sagt auch, das der Mann Sekretär im Bürokomplex von Kraftbaumeister ist. Aha.... auch das notiere ich mir, daraus könnte sich ein interessantes Gespräch ergeben. Omma Paschullke weiß noch mehr und ich notiere alles was neu ist. In der Nebenstraße wohnt Lisalotta Mustermann. Sie ist arbeitslos und Onkel Urmel aus einer weiteren Nebenstraße ist Frührentner. Sie alle sind froh wenn wir da sind. Auch von ihnen bekommen wir nützliche Infos. Am Ende habe ich drei Seiten geschriebene Informationen, rund um das Viertel. Das sind hunderte Infos um den nächsten Angriff auf den Feind zu planen, oder um neue Agenten zu rekrutieren. Schauen wir mal....

Der Feind:
Satan, Dämonen, weltliche Menschen
Da draußen ist viel los. Man kann sich nie sicher sein wo der Feind lauert. Jede Veränderung im Feld muss notiert werden um die Informanten zu schützen, oder um neue mögliche Rekruten zu schützen. Sie sind unsere Zukunft. Vielleicht finden sich neue Rekruten mitten im Feld, und das geht nur über Insiderwissen. Man stelle sich mal vor, das man nicht weiß wer im letzten Haus wohnt. Lange zeit erreicht man dort keinen, weil die Leute zu anderen Zeiten daheim sind. Und dann kommt ein Angriff Satans, und wir haben die Leute aus dem letzten Haus vergessen weil wir nicht wussten was mit ihnen ist. Unsere Beobachtungen und unsere Informanten, das sind die Sicherheiten in der Dunkelheit. Big J. wird helleres Licht senden wenn es noch düsterer wird, bis dahin müssen wir mit den Mitteln klarkommen die wir haben. Aber dafür werden wir ja geschult.

Es kann sein, das wir auf einem anderen Gebiet eingesetzt werden. Das macht nichts. Wir geben die gesammelten Informationen in der Kommandozentrale ab. Da ist ein Verbindungsoffizier, der sammelt das ein und händigt es an die neuen Agenten aus, welche das alte Gebiet dann bekommen werden. Aber ich bekomme dann auch ein neues Gebiet. Das ist schön da wird es nie langweilig. Und ich bekomme vom Verbindungsoffizier auch gesammelte Infos über dieses neue Gebiet. Es gilt diese Informationen zu erweitern. Nicht auszudenken wenn sich was verändert hat in dieser Zeit.

Am späten Nachmittag stehe ich geschniegelt und gebügelt in Arbeitsuniform in der Fußgängerzone. Ich nenne das aktive Jagt. Es ist so, als sitzt man auf einen Hochsitz, fixiert die vorbeilaufenden Massen und pickt sich hin und wieder Menschen heraus, die wir mit Zeitschriften erfreuen. Dabei gehen wir gezielt vor. Kragen hochgestellt, Ärmel hochgekrempelt, Person mit den Augen fixiert und im Stechschritt hin, Grinsen und Verwirrung stiften indem man sie mit irgend einem aktuellen Thema aus der Presse anlabert und den Bogen soweit spannt das wir ihnen die Gesetze von Big J. einfach rechts und links um die Ohren klatschen bis ihnen hören und sehen vergeht. Dann drücken wir ihnen das Heft in die Hand, weisen noch hin das man an kostenlosen Informationsschulungen teilnehmen kann, zeigen das dafür vorgesehene Anmeldeformular auf der Rückseite und klopfen ihnen nochmal aufmunternd auf die Schultern, ehe wir sie überrumpelt und sprachlos da stehen lassen wo wir sie aufgegabelt haben.

Freudestrahlend eilt man dann davon in der Gewissheit das man am Ende des Tages Satan 3 mal besiegt hat, 5 neue Informanten gefunden hat, 3 Seiten Informationsmaterial zusammen getragen hat und mindestens 8 Zeitschriften in die gegnerischen Linien eingeschläust hat. Propaganda ist eben alles!

Am Ende des Tages gönnt sich eine so erfolgreiche Agentin wie ich es nun mal bin einen Coffe to Go am Kiosk um die Ecke. Ich kauf mir auch eine „Schildzeitung“, weil man muss ja auch wissen was in der Welt los ist. In Großbuchstaben lese ich gleich auf der ersten Seite:

NSA – Großer Abhörskandal weltweit
Menschen nicht mehr sicher was ihre Privatsphäre anbelangt
Informationen auf illegalem Weg beschafft
Täter und Informanten gefasst, Technik im Wert von 20k Mäusen sichergestellt

Ich sehe die Überschrift und denke lächelnd....... Peanuts, Anfänger, Stümper. Mein triumphierendes Lächeln wird nachdenklicher. Sie haben halt den falschen Chef. Big J. hat die besseren Informanten, die besseren Mitarbeiterschulungen, und die besseren Argumente um Informationen zu beschaffen. Ich bin froh eine Agentin von Big J. zu sein.

Dann mache ich mich auf den Heimweg. Dort angekommen verstaue Infobüchlein und die restlichen Zeitschriften auf meinem Schreibtisch und tausche Arbeitskleidung gegen Nachthemd. Nochmals gedenke ich Big J. ehe mich ein erholsamer Schlaf mitten ins Paradies befördert. Zwischen Rosen und Nelken stehe ich neben einem Löwen und eine Anakonda schlängelt sich sanft um meinen Körper. Ich bin Silvie – Deckname Sulamith, Agent von Big J. und allzeit bereit!