Wenn der Glaube zur Gewalt verleitet

  • oder wie Zeugen Jehovas Gewaltbereitschaft fördern


Ein Artikel (auch) über häusliche Gewalt



Ich arbeite als Erzieherin in einer größeren Kita. Vor kurzem hatten wir eine Fortbildung zum Thema „Häusliche Gewalt“. Als der Vortragsredner zu erzählen begann, zeigten sich bereits nach den ersten Sätzen Parallelen zu den Zeugen Jehovas. Der Vortrag und das Informationsmaterial inspirierten mich zu einigen Überlegungen, welche ich heute schriftlich festhalten möchte. Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Diana Engel, Autorin der Broschüre „Kinder leiden mit“ vom Arbeitskreis „Neue Erziehung e.V.“. Frau Engel schreibt:


Gewalt in der Familie ist ein Tabu-Thema für Betroffene und Außenstehende, Eltern, Kinder, Erzieher, Lehrer […] Was in der Familie geschieht gilt als Privatangelegenheit in die sich niemand einmischen möchte. Schließlich will man ja auch nicht von anderen vorgeschrieben bekommen was man zuhause zu tun und zu lassen hat […]


Dieser Satz steht in der Broschüre ganz am Ende, unter dem Punkt „Was Außenstehende tun können“Für mich jedoch muss dieser Satz ganz vorne stehen, gleich am Anfang, weil die Ursachen der häuslichen Gewalt bei Zeugen Jehovas meiner Meinung nach in der Einmischung seitens der WTG in das persönliche Leben begründet sind. Zeugen Jehovas haben viele Vorschriften an die sie sich halten müssen. Die WTG reguliert das Leben jedes einzelnen Zeugen, gibt Vorgaben den Lebens und setzt Maßstäbe darüber welches Verhalten richtig und welches falsch ist. Daraus entwickelt sich in einigen Bereichen zwangsläufig Gewalt. Nicht immer scheint diese Gewalt offensichtlich zu sein. Es ist nicht wie bei „normalen“ Fällen von häuslicher Gewalt, obwohl das auch vorkommt, wenn man die Rute der Zucht in Betracht zieht. Aber nicht jeder Zeuge wendet das automatisch so an.


Es gibt mehrere Arten von Gewalt. Je nachdem wie tief die Doktrin der WTG in einem persönlich verankert ist und die Glaubensmechanismen greifen, desto unterschiedlicher können die Arten der Gewalt sein, die Übergänge von einer Gewaltform zur anderen mag dabei fließend sein. Gewalt wird bei den Zeugen meist als Strafe angesehen. Strafe auf Fehlverhalten. Die Strafe wird dabei nicht offen ausgesprochen. Es sind immer Empfehlungen an die man sich halten muss. Tut man das nicht, dann handelt man gegen Jehova, gegen die WTG und gegen die Ältesten, seine Brüder und Schwestern. Die Empfehlungen wie man sich zu verhalten hat sind schriftlich festgehalten in den Publikationen der WTG. Da kommen Sätze wie man sich verhalten soll, Sätze über Dinge die man zu lassen hat, Richtlinien zur Durchführung gewisser Praktiken. Damit sind so Sachen gemeint, wie die Aufnahme von Blut, rauchen, das sexuelle Leben und und und. Die Liste könnte man beliebig fort setzen. Kommt eine Empfehlung seitens eines Ältesten, dann muss man sich daran halten. Tut man es nicht folgen Konsequenzen von peinlichen Befragungen, bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Nachfolgend liste ich Arten der Gewalt auf, wie sie bei der WTG bisher vorkamen und in teilen noch vorkommen, bevor ich später den Faden der häuslichen Gewalt wieder aufnehme. Nachfolgende Dinge werden von den Zeugen toleriert, auch wenn sie, direkt drauf angesprochen, es verneinen, oder beschwichtigen, das alles freier Wille sei.


Die körperliche Gewalt ist die schlimmste Form der Gewalt. Sie hinterlässt nicht nur Spuren in der Seele, nein auch Spuren am Körper. Körperliche Gewalt wurde und wird auch heute noch von den Zeugen Jehovas genutzt um zB Kinder gefügig zu machen. Es nennt sich die Rute der Zucht. Nicht jedes Kind wird geschlagen, es gibt Eltern, auch unter Zeugen da wird nicht geschlagen. Über den Klaps auf die Finger spreche ich hier auch nicht, obwohl das schlimm genug ist, nein, ich meine hier körperliche Züchtigung in Form von Bestrafungen bei der geschlagen wird. Wird ein Kind von den Eltern geschlagen, und ein anderer Zeuge bekommt das mit wird er nichts sagen, denn hier greifen Empfehlungen der Bibel und der Wachtturm Literatur. Ein Kind hat Jehova und seine Eltern zu respektieren, tut es das nicht, dann darf auch die Rute der Zucht angewandt werden.


Dann gibt es noch die sexuelle Gewalt. Diese beinhaltet nicht nur Vergewaltigung, nein auch eine Vielzahl von Nötigungen finden sich darunter. Und sei es nur, wenn man in einer Komitee Sitzung vor drei Ältesten sitzt und bis in kleinste Detail Rede und Antwort stehen muss, falls man mal fremd gegangen ist, bzw masturbiert hat. Denn beides ist in Augen der Zeugen mehr als verwerflich. Die Älteste die in dieser Sitzung dabei sein werden, erfragen die peinlichsten Sachen vom simplen Küssen bis zu Details diverser Stellungspraktiken. Meist folgt darauf der Ausschluss wenn man keine Reue zeigt. Das ist ganz besonders schlimm für junge Zeugen die ihre Sexualität entdecken möchten. Es ist verboten das zu machen, egal wie. Viele junge Zeugen heiraten daher früh, nur um endlich Sex haben zu dürfen. Und auch für Ehe und weiteres fortleben werden Richtlinien gegeben. Der Sex dient nur als Fortpflanzungsmittel. Spass steht dabei ganz hinten. Mal ganz abgesehen davon das Sexpraktiken wie BDSM, Rollenspiele und andere Dinge, ja ebenso Homosexualität komplett verboten werden.


Die ökonomische Gewalt ist weit aus öfter vorhanden bei der WTG. Ökonomische Gewalt bedeuten Verbote gewisse Arbeiten aufzunehmen die mit Blut, Tabak oder Waffen zu tun haben. Oder aber wenn junge Menschen ermuntert werden, eine Ausbildung anzunehmen, die nicht auf einer Uni oder Hochschule stattfindet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sollen sich Zeugen von allem fern halten was unrein ist oder schlechtes Gedankengut hervorbringen. Universitäten bringen den freien Grundgedanken hervor, regen die Jugend zum Nachdenken an, zum (Nach)Forschen und Hinterfragen der Dinge. Das ist für die WTG nicht gut. Wer zu tief im Dreck wühlt könnte wohl möglich etwas finden, und sei es nur die sprichwörtliche Leiche im Keller. Zum anderen aber kostet studieren viel Zeit. Zeit die man damit verbringen könnte von Haus zu Haus zu gehen um Wachttürme an andere Menschen zu bringen. Also gibt die WTG Richtlinien vor, an die sich jeder hält, weil es sonst eine Spirale unangenehmer Fragen nach sich zieht und man will ja nicht als schlechter Umgang gelten.


Psychische Gewalt herrscht vor ganz allein schon durch die Richtlinien der WTG. Ebenso die Soziale Gewalt. Beides geht einher, denn mit dem Ausschluss einer Person von der WTG verliert sie (fast) alle sozialen Kontakte, was psychische Probleme hervorrufen kann. Da mag bei einem die Ehe in die Brüche gehen, er sieht Frau und Kinder nicht mehr wieder. Es kommt zu einer Scheidung. Oder die eigenen Kinder werden verstoßen, weil sie eben nicht den Weg der WTG beschreiten wollen. Oder durch einen Fehler hat man etwas gemacht das laut Zeugen Jehovas einen Ausschluss rechtfertigt. Das Ende vom Lied ist fast immer gleich. Man geht in die soziale Isolation. Dieses Vorgehensweise ist aber nicht nur für denjenigen schlimm der Abstand von der WTG nimmt. Nein sie ist auch für den Rest der verbliebenen schlimm. Und auch gleichzeitig eine Drohung, denn so sieht man was einem selber droht, wenn man vom rechten Wege abkommt. Nicht viele Menschen, die den Absprung geschafft haben, oder gegangen wurden hatten hinterher Schwierigkeiten sich wieder in der Gesellschaft zurecht zu finden. Psychologen werden aufgesucht die sich dieser besonderen Problematik annehmen. Probleme auf dem psychischen Sektor treten aber auch noch in anderen Bereichen auf. Die Art der Publikationen, die Schreibart und Gestaltungsweise können Ängste hervorbringen. Es wurde mal die Verwendung des Wortes Harmagedon, Dämonen und Satan in einem Wachtturm gezählt. Mehrere hundert Male traten diese Wörter auf. Meist auch in einem Zusammenhang in der von Beispielen erzählt wird in der Personen in eine Art Bedrängnis kommen. Etwas schlimmes passiert, entweder ein Fehlverhalten, oder eine andere Katastrophe des Lebens tritt zutage und immer ist Satan dran schuld. Entweder man wird von Satan und den Dämonen verführt, oder angegriffen, oder die Umstände sind so gravierend das Satan Angriffe führt und und und. Damit man gegen Satan gewappnet ist kommen dann Vorschläge wie man sich zu verhalten hat, damit das alles nicht ganz so schlimm wird. Durch solche Artikel wird Angst aufgebaut, das Verhalten dadurch beeinflusst und durch die Empfehlungen in andere Bahnen gelenkt. Und wer glaubt das das so nicht stimme sollte versuchen einen Studienwachtturm in die Hände zu bekommen, oder vielleicht eins der Kinderbücher. Eltern würden ihre Kinder nicht unbedingt Horrorfilme schauen lassen, aber die Abbildungen in den Kinderbüchern sind so Detailgetreu, da kommt es aufs gleiche raus. Da fließt Blut, da ertrinken Menschen, da liegen Menschen auf dem Boden während ein anderer sich über den Menschen beugt und den am Boden liegenden mit einem Stein erschlagen will. Dabei sind die Gesichter nicht einfach Zeichentrick oder Comic Gesichter, nein man kann die Angst und die Gefühle in der Mimik der jeweiligen Personen erkennen. Für Kinder kann das mitunter schrecklich sein, vor allen Dingen weil sie in jungem Alter alles noch für bare Münze nehmen. Sie wissen nicht das diese Dinge tausende von Jahren her ist. Sie erlernen, wenn man böse ist mag mich Jehova nicht, und böse Menschen wird Jehova vernichten. Über die psychische Gewalt könnte man noch so viel Schreiben, aber ich lasse es erst mal dabei.


Das waren einige Stufen der Gewalt, wie sie bei den Zeugen Jehovas vorkommen können. Nun muss der Bogen wieder in Richtung häusliche Gewalt gespannt werden. Hierzu werde ich mit dem Beispiel einer Familie arbeiten. Es ist eine typische Familie, wie sie in jedem Königreichsaal vorkommen kann. Familie Mustermann. Vater, Mutter, ein kleines Mädchen von 5 Jahren, ein Junger Bub von 9 Jahren. Die Situation startet zuhause und endet dort auch wieder, mit einem kurzen Aufenthalt im Königreichsaal. Viele der nachfolgenden Dinge mögen Klischees beinhalten, aber dieses Beispiel kann man in so vielen Berichten lesen, wo Menschen ihre gemachten Erfahrungen mitteilen.


Es ist Freitag. Freitags findet eine Dienstzusammenkunft im Königreichsaal statt und anschließend noch die Theokratische Predigtdienstschule. Für die, welche das noch nicht wissen sei kurz gesagt, eine Dienstzusammenkunft ist ein Treffen bei denen Belange der WTG oder der jeweiligen Versammlung besprochen werden. Die Theokratische Predigtdienstschule kann man als Marketing Meeting sehen, bei dem man lernt, den Wachtturm an den Türen zu verkaufen, und Jungen und Männer erlernen noch, wie sie Programme auf der Bühne vorzutragen haben.


Die Mustermanns kommen zu spät in den Saal. Die anderen stehen bereits Spalier zum Gebet. Sie drängeln sich irgendwo in die Mitte der Sitzreihen, wo noch drei Plätze vorhanden sind. Die Mutter ist schuld das sie zu spät sind, sie kam zu spät aus der Arbeit weg, weil sie für eine Kollegin einspringen musste und landete erst mal im Stau. Der Vater war gezwungen die Kinder zu kleiden, was sonst nicht seine Aufgabe ist. Dadurch fiel das Abendbrotessen aus. Die Kinder sind quengelig, haben Hunger und sind auch müde. Sie hatten einen langen Tag. Der Junge war bis 16 Uhr in der Schule, das Mädchen ebenso lange im Kindergarten. Sie haben Mama nicht gesehen, sind müde vom Toben und haben Hunger. Der Vater ist genervt und im Stress.

So gehen sie in den Saal und Schwester Denunziant beäugt das Vorgehen argwöhnisch, auch andere im Saal schütteln den Kopf. Sie wird nachher die erste sein, die sich an die Ältesten wendet, weil sie viele verwerfliche Dinge bei Mustermanns in der Vergangenheit beobachtet hat. Natürlich haben die Ältesten die Verspätung mitbekommen. Da das schon ein paar mal vorgekommen ist werden sie sich Bruder Mustermann nach dem Versammlungsbesuch „liebevoll“ vornehmen. Aber noch ist es nicht soweit. Nach dem Gebet hat sich die Aufregung gelegt, aber Ruhe will nicht einkehren. Der Junge ist nervös. Er muss in der kommenden Stunde aus der Bibel vorlesen. Er mag das nicht, aber er ist dran. Der Kleine scharrt abwechselnd mit den Schuhen auf dem Boden entlang was ein komisches Geräusch macht. So lenkt er sich ab. Er ist so zappelig das Mamas Tasche vom Nebensitz purzelt. Geräuschvoll fallen einige Bücher die sie für ein Buchstudium benötigen und einige Bilderbücher auf den Boden.

Nach einem drohenden Blick und einer schnellen Geste seines Vaters hebt er die Bücher auf und stellt die Tasche zurück auf den freien Stuhl. Die Schwester ist mittlerweile am rumzicken. Sie ist mitten in der Trotzphase, außerdem ist sie müde und hungrig. Es ist fast 21 Uhr. Sie sind schon seit einer Stunde im Saal und eine weitere Stunde müssen sie noch ausharren bis es nach Hause geht. Aus dem rumzicken wird ein wütendes gezappel und ein Gesangbuch wird trotzig auf den Boden geworfen und die Mutter registriert in der Nachbarreihe wie einige Schwestern sich kopfschüttelnd in Richtung des Kinderweinen drehen. Die Mutter steht auf, packt das Kind und geht mit hochrotem Kopf in Richtung Nebenraum. Dieser ist durch eine schalldichte Tür gesichert. Es sind auch Fensterscheiben zum Saal vorhanden, aber da sind die Vorhänge zugezogen. Die Mutter versucht erst beruhigend auf das Kind einzureden, aber da die Kleine nicht aufhört folgen Drohungen. Die Kinderserie darf nicht mehr geschaut werden, das Kind gehe ohne Essen ins Bett und das Lieblingsspielzeug wird verschwinden. Das Kind hört dennoch nicht auf rumzubocken und Krach zu machen. Spätestens nach „ich hab dich nicht mehr lieb“ seitens des Mädchens greift die Mutter den Arm, sieht das Kind über Knie und klatscht ein paar mal kräftig auf den Hintern und kommentiert das mit dem Satz, das Jehova das Kind dann auch nicht mehr lieb hat und das Kind mit dem Bock eh nicht ins Paradies kommt, denn Jehova mag nur Kinder, die lieb sind zu ihren Eltern und den anderen Brüdern und Schwestern. Das Kind ist danach ruhig, denn es weiß bereits, wenn es weiter macht wird es schlimmer. Den Rest der Zusammenkunft wird es ruhig auf ihrem Stuhl sitzen und nichts mehr sagen. Sie schläft später ein, was von einigen älteren Schwestern negativ aufgefasst wird.

Noch ein paar mal wird der Junge unangenehm auffallen bevor er auf die Bühne darf. Ein paar mal rufen Leute irgendwo aus dem Saal „psssst“ Der Vater ist verärgert und knufft das Kind in die Seite. Beim letzten mal so dolle das dem Jungen Tränen in die Augen steigen. Aber danach ist er still und rührt sich nicht mehr. Dann nach einiger Zeit geht er mit seiner Bibel an das Pult auf der Bühne um eine kurze Stelle aus der Bibel vorzulesen. Er stottert. Er ist kein guter Leser. Hat Angst vor Leuten zu lesen und mag nicht wenn sie ihn alle anstarren. Das macht ihn noch nervöser als er ohnehin schon ist. Alles in allem war es schlecht vorgelesen und vorher nicht geübt. Der Älteste der nach dem Jungen den nächsten Programmpunkt ankündigt gibt ein kurzes Feedback ab, aber da war nichts mehr zu machen. Kurz nach der Versammlung wird der Vater in den Nebenraum gerufen, wo drei Älteste auf ihn mahnend einreden. So lotterhaft wie es in den letzten Wochen lief ist er kein gutes Beispiel für andere junge Männer in der Versammlung. Auch führt er sein Amt als Familienoberhaupt nicht richtig aus. Wenn die Kinder jetzt schon negativ auffallen, wie soll das erst werden wenn sie älter werden. Die Älteste teilen mit, das die Familie vielen Brüdern und Schwestern negativ aufgefallen ist. Sie reden mahnend auf ihn ein das das so nicht weitergehen darf, ansonsten wird das Konsequenzen haben. Es wird gebetet und ein Hirtenbesuch vereinbart um auch mit der Mutter und den Kindern zu reden. Natürlich alles unter dem Deckmantel der Liebe. Nach dem Gebet wird sich kurz verabschiedet und dann fährt man Heim. Die kommenden Wochen und Monate werden nicht gut ausfallen für die Familie. Von oben herab kommt der Druck und der wird nicht vor der Frau und den Kinder halt machen. Sie werden alle noch kürzer gehalten als ohnehin schon. Es wird mehr studiert, mehr mit den Kindern gelernt, Freizeitaktivitäten werden noch mehr eingeschränkt und das Pensum des Predigtdienstes wird erhöht. Diverse Spielzeuge der Kinder werden genauer unter die Lupe genommen und gegeben falls entsorgt. Man nimmt den Kindergarten des Mädchens genauer unter die Lupe und man entscheidet sich, das das Kind raus genommen wird. Die Mutter wird ganz aus der Arbeit hinausgehen und in den Vollzeitpredigtdienst gehen. Das Mädchen wird mitgenommen in diesen Dienst, weil sie dort lernt, wie man für die WTG arbeiten kann. Spuren die Kinder nicht wird mit Liebesentzug und Drohungen seitens der Eltern gearbeitet, bis die Kinder wieder in der richtigen Spur laufen, notfalls auch mit körperlicher Gewalt in Form von Schlägen. Das Bild einer Vorzeigefamilie muss erhalten werden und jeder muss sein Verhalten korrigieren. Damit das klappt wird die Familie von den Hirten (Ältesten) immer wieder besucht und auf den rechten Weg wieder eingestimmt. Dazu bekommen sie Publikationen, in denen der Wille Jehovas geschrieben steht. Regelungen zum Verhalten, aufmunternde Worte die zeigen sollen, wie die WTG gewisse Dinge handhabt, und Beispiele, wie man das eigene Verhalten und das der Familie so weit regulieren kann, das es mit der WTG Konform geht


Dieses Beispiel ist eins, das aus vielen Beispielen zusammen gewürfelt wurde. Es zeigt wie sich der Druck von oben auf die Familie aufbaut, zeigt wo die Grundlage zur häuslichen Gewalt bei den Zeugen Jehovas zu finden ist. In dem anfangs erwähnten Zitat ist die Rede davon, das sich fremde Personen bei häuslicher Gewalt nicht einmischen. Bei den Zeugen Jehovas ist das anders herum. Die mischen sich so lange ein bis sie die Leute genau da haben wo sie sie hin haben wollen, ja und wenn das halt mit Gewalt ist, dann ist ihnen das auch Recht. So etwas nennt man Verhaltenskontrolle. Das einzelne Mitglied wird von oben herab kontrolliert. Sei es durch die Ältesten, durch die Brüder und Schwestern, die auch vor denunzieren nicht zurückschrecken, sei es durch den Vater der Druck auf die Frau ausübt und die Mutter die Druck auf die Kinder ausübt. Die Vergangenheit zeigte immer wieder mal, das die WTG Gewaltverbrecher in den eigenen Reihen eher schützte als an die Polizei auslieferte. Die weiße Weste muss nach außen gewahrt bleiben.


Bei „normaler“ häuslicher Gewalt weiß das Opfer, das da was nicht stimmt. Es schämt sich, und versucht die Dinge zu verheimlichen, oder zu beschwichtigen, das alles nicht so schlimm sei. Bei den Zeugen Jehovas ist das nicht der Fall. Das Opfer weiß hier schon nicht mehr das da etwas nicht stimmt, denn es erkennt nicht, wo die Problematik liegt. So kann es auch nichts unternehmen um sich zu wehren. Der Vater und die Mutter lassen diesen Zustand zu, denn sie tun es für ihren Glauben. Sie sehen darin auch nichts verwerfliches, denn sie haben ein Ziel, eine Belohnung vor Augen. Je besser sie laufen, desto realistischer wird für sie das Leben im Paradies. Das Verhalten wird von den Zeugen toleriert und noch ermuntert weiter zu machen. Das Kind lernt es nicht anders, es wächst in die selben Verhaltensmuster rein. Weiter noch, durch die Publikationen welche von schlimmen Bildern durchzogen ist, ebenso die Predigten, welche von Geschichten und Beispielen rund um Harmagedon und Satan und totaler Vernichtung nur so strotzen wird weiter Angst erzeugt. Dadurch kann es zu seelischen Verletzungen kommen. Diana Engel spricht hier von einem Klima der Gewalt in dem es für die Kinder keinen Schutz und keine Sicherheit geben kann.


Das schlimme an der Sache ist, das die Kinder auch lernen das es völlig normal ist sich so zu verhalten. Während die Eltern vielleicht erst später zu den Zeugen kamen und dieses Verhalten erst mühsam ankonditioniert bekamen, dort also ein Umdenken einsetzen musste ehe sie so handeln, wachsen die Kinder damit auf. Für sie ist diese Art der Gewalt normal, und es kann sein, das sie in der nächsten Generation ebenso bei ihren eigenen Kindern handeln. Und noch etwas entwickelt sich bei den Kindern. Die Bereitschaft andere zu denunzieren. Das kann auch auf die Eltern zurück schlagen, oder macht auch vor leiblichen Geschwistern keinen halt.


Es könnte vorkommen, das ein Elternteil sich aus der Gemeinschaft löst. Vielleicht merkt das Elternteil das da was nicht stimmt und versucht aus dieser Situation zu bekommen. So entstehen neue Ängste. Wie wird das andere Elternteil reagieren? Man liest immer wieder Berichte, bei dem ein Elternteil seine Kinder nicht mehr sehen darf, weil es die Glaubensgemeinschaft verlassen hat. Das weckt neue Ängste in den Kindern, aber auch in dem gehenden Elternteil.

Durch die Herangehensweise der Zeugen Jehovas scheint mir die Gewalt größtenteils im psychischen Bereich zu liegen. Aber egal um welche Arten der Gewalt es geht, sie gehört was die Kinder betrifft verboten. Kinder haben das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung, auf ein gewaltfreies Leben innerhalb ihrer kindlichen Welt. Und dieses Recht ist festgehalten im Gesetz. Dafür stehen Paragraphen wie § 1631 Abs 2 wo steht, das es verboten ist das Kind körperlich zu bestrafen oder seelisch zu Verletzen, oder andere entwürdigende Maßnahmen durchzuführen. Sollte es dennoch soweit kommen, können Gerichte Maßnahmen zum Schutz der Kinder durchführen (§1666 u. §1666a) was da zB die Entfernung eines Elternteils aus der Wohnung ist, oder die Trennung von Eltern und Kind.


Das Problem an der Sache ist, das das Kind nicht merkt das was nicht stimmt und die Eltern sehen sich im Recht und wollen nicht sehen das sie falsch handeln. Die Versammlungsmitglieder bestärken sie noch und wenn einer überhaupt was merken kann, dann ist es evtl. ein Vertrauenslehrer oder eine nahe Person die aber keinen Einfluss auf die Familie hat. Außenstehende werden in der Regel gut erzogene Kinder sehen, in einer Bilderbuchfamilie, essen Weste so rein ist, das nichts sie erschüttern kann.


Ein gutes gibt es aber doch zu vermelden und das ist die Sicht auf die Zukunft. In den letzten Jahren sind immer mehr Zeugen ausgetreten, Tendenz steigend und der eigene Nachwuchs wird durch die Primarstufen und weiterführende Schulen gut aufs Leben vorbereitet, so das der eigene Nachwuchs nicht unbedingt die Taufe erlebt. Bis dahin ist es ein harter Kampf für die Kinder und Jugendlichen.

~~~~~

12.10.13 16:26

Letzte Einträge: Sommerpause zuende....., Erstwähler ?/!, JZ vs. Schule, Wie ich mein schönstes Weihnachtsfest verbrachte, Nach langer Zeit...

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL