Im Geheimen Auftrag.....

ich bin Silvi. Aber das bin ich nur Zuhause oder auf Arbeit. Eigentlich führe ich ein Doppelleben. Ich bin Unterwegs im Geheimauftrag. Ich bin ein knallharter Agent, immer auf der Suche. Mein Deckname ist Sulamith und ich bin unterwegs im Auftrag von Big J.

Big J. ist ein großartiger Auftraggeber. Ich werde immer wieder motiviert auszuschwärmen mit vielen anderen die so sind wie ich. Wir arbeiten immer zu zweit, schon allein wegen der Gefahr erwischt zu werden. Eine andere Agentin, ich nenn sie mal Isebell, zog einmal alleine los. Sie verließ ihre Deckung, klingelte an einer Haustür und da geschah es. Ein aüßerst gut aussehender Mann Mitte 30 zog sie ins Haus, verführte sie und zwang sie unter sexueller Folter (ich kann leider nicht ins Detail gehen. Meine Vorgesetzten verbieten es offen darüber zu reden, so bleibt es halt ein Geheimnis) seine Ehefrau zu werden. Isebell war hinterher nicht mehr die selbe. Wir haben sie an den Feind verloren. Sogar unsere Vorgesetzten aus der Infozentrale konnten nichts mehr machen.

Seit diesem Tage dürfen wir nur noch zu zweit los. Aber auch nur noch mit gleichgeschlechtlichen Partnern, weil die Vorgesetzten überein kamen, das man auch dem eigenen Personal nicht trauen darf. Man kann Männern einfach nicht trauen. So ist das. Ich selber schaue keine Männer an. Nur für Big J. würde ich eine Ausnahme machen, aber man bekommt ihn nie zu Gesicht. Er ist halt ein vielbeschäftigter Mann. Ich vermute mal, das er getarnt arbeitet. Wir bekommen immer neues Licht von ihm, daher gehe ich davon aus, der er unter anderem beim Elektrizitätswerk arbeitet. Oder in einer Glühbirnenfabrik. Man weiß es nicht. Nachforschen ist nicht erlaubt. Wer selber nach Big J. forscht, oder versucht ihn oder einen seiner engsten Mitarbeiter zu finden, der wird abgemahnt, ja sogar aus der Gemeinschaft aktiver Agenten entlassen. Und am Ende steht man einsam und verlassen da und sein wir mal ehrlich, ein Agent ohne Auftraggeber, was für ein langweiliger Job!!!!

Jeden morgen mache ich mich bereit zur Arbeit. Ich esse Frühstück, lese schnell das tägliche Losungswort durch (jeden Tag ein anderes, denn jeder Tag ist speziell anders, da will man ja schließlich auch immer auf der richtigen Seite sein und richtig informiert sein.) Dann kommt das anlegen der Berufskleidung. Ich trage Berufskleidung die sicher stellen soll, das mir nicht das selbe passiert wie der armen Kollegin Isebell die da in die Ehe entführt wurde. Ich bin im Vollzeitdienst unterwegs, das heißt ich muss immer Up To Date sein was die Sicherheitsvorschriften betrifft. Man wird ja nur einmal Agentin für Big J., das darf ich mir nicht verscherzen.

So lege ich auch heute meine Dienstkleidung an. Ich trage einen knöchellangen marine-blauen Rock, welcher den Po nicht betont, aber auch keine wilden Muster zeigt. Er darf auch nicht weit schwingend sein. Wegen der Windgefahr. Aber zur Vorsicht (man weiß ja nie wie windig es wird) trage ich einen grauen Feinripp Schlüpfer für Damen. Meine Mutter hat immer gesagt, wenn du unterwegs bist trage immer saubere Unterwäsche, es könnte ja sein das du stirbst. Und Recht hat sie. Ich möchte Big J. nicht gegenüber stehen und nicht sauber sein... das geht mal gar nicht.
Zu meinem Rock trage ich eine weiße Bluse mit einem hochgestellten Kragen, eine marine-blaue Strickweste und darüber eine Kord-Jacke. Keine Schminke!!!! Keine Stöckelschuhe!!!! Der Absatz darf nicht höher sein als einen Zentimeter. Man muss jederzeit bereit sein zu flüchten. Man stelle sich mal vor man klingelt irgendwo und jemand der so aussieht wie Antonio Banderas macht die Tür auf. Da muss man rennen können, ehe man Gesichtsentgleisungen bekommt und der Sabber anfängt zu laufen. Rennen muss man aber auch bei Hunden die einem im stehen in die Augen blicken können, oder bei Hunden die beim Grinsen längere Zähne als 3 Zentimeter aufweisen, bei Jugendlichen die schwarz rumlaufen, oder wenn aus dem Hause andere Musik ertönt als Klassik oder Schlager.

Kommen wir zu meinen Waffen. Zuerst mal meine wichtigste Waffe, das ist meine Intelligenz. Ich werde von Spezialisten geschult. Wöchentliches Training machen mich fit für meinen Auftrag. Was das für ein Auftrag ist, dazu komme ich später noch. Ich werde geschult für Theo(krat)(r)ie und Praxis. Big J. schickt nur seine fähigsten Leute hinaus ins Feld. Möchtegerns und Interessierte lässt er allenfalls mal schnuppern, aber auch sie können sich ja noch Qualifizieren für die Wildnis da draußen. Wenn ich da draußen bin arbeitet meine Intelligenz wie ein Uhrwerk, da lass ich es auf nichts ankommen. Ich habe ein schwarzes Handbuch, darin steht alles drin was ich wissen muss. Aber das muss ich nicht unbedingt nutzen. Ich weiß auch so wie die Ansprüche sind die Big J. an mich richtet. Immerhin habe ich in meiner frühesten Kindheit damit angefangen.
Zu meiner Intelligenz benötige ich noch einige andere Dinge. Eine Tasche für weiteres Arbeitsmaterial. Ich führe immer ein Büchlein mit mir rum. Dazu aber später mehr. Einen Stift brauch ich noch, und gaaaanz wichtig ist natürlich auch die Lektüre. Ohne die verlasse ich niemals das Haus. Zusatzbücher mit bunten Bildern drin, kleine braune Umschläge für Gelder die ich einkassieren muss, und gaaaanz wichtig ist auch mein Berichtszettel. Jede Stunde muss sorgsam berichtet werden. Man stelle sich mal vor ich vergesse eine Stunde zu berichten. Am Ende geht die Rechnung nicht auf und ich hab Minusstunden. Das gute ist ja, ich kann den Berichtszettel meiner Kollegin unter die Nase halten. Die wird dann immer schön grün vor Neid. Naja, aber um nochmal auf die Briefumschläge für die Gelder zu kommen... Ich bin kein Geldeintreiber. Die Leute geben mir eh nix. Aber das macht nichts. Ich gebe von meinem Geld etwas hinein und stecke es in der Kommandozentrale in einen extra dafür vorgesehenen Kasten. Ich kann das nicht anders. Die Leute sind nicht willig Geld zu geben, oder haben selber keins. In einem Traum sagte Big J. einmal zu mir, ich sei zu gut für diese Welt. Seitdem stecke ich immer noch ein paar Mäuse mehr in den Umschlag.

Meine Verkehrsmittel sind gut gewählt. Ich lass mich von meiner Kollegin abholen, oder wenn sie nicht kann nehme ich auch schon mal das Rad. Da kenne ich nichts, bei Wind und Wetter bin ich draußen. Gemeinsam fahren wir zu unserer Kommandozentrale. Big J. hat viele dieser Zentralen. Im ganzen Land. Wir sind breit verstreut über die gesamte Republik, ach was sag ich, über die ganze Welt. Wir sind staatlich anerkannt denn wir haben den ultimativen Darfschein. KÖRPERSCHAFTSRECHTE !!!!!!
So holen wir unsere tägliche Portion Motivation ab, sozusagen den Segen von Big J.. Dann geht’s ab ins Feld.

Wer nun denkt wir gehen da von Tür zu Tür, und klingeln die Leute zu unmöglichen Zeiten an, der irrt. Ganz so einfach ist es ja nun auch nicht. Man klingelt nicht einfach und sagt: Hallo, ich möchte mit ihnen über Gott und die Welt reden... Das geht so nicht!!!
Da gehört schon mehr dazu, sehr viel mehr. Man kann nicht einfach an die Türen gehen. Das wäre viel zu gefährlich. Erstmal muss man die Lage inspizieren. Man geht mit einer erfahrenen Agentin ins Feld und beobachtet. Dann macht man sich Notizen, zuhause verdoppelt man die und reicht sie der Kollegin in Kopie weiter für ihre Unterlagen. Doppelt abgesichert sozusagen. Es kann ja sein das eine verhindert ist, dann muss man selber in der Lage sein die Ersatzkollegin richtig im Feld einzusetzen. Dazu die Notizen.... unter anderem.

Die erfahrene Kollegin verwickelt das vermeintliche Opfer erst mal in ein Gespräch. In der Zeit muss ich beobachten. Die Umgebung. Wie sieht sie aus? Ist der Vorgarten gepflegt? Stehen da satanische Symbole drin, zB kleine Gartenzwerge? Was für ein Auto steht vor der Tür? Gallopiert ein großes Kalb a´la Irischer Wolfshund munter durch den Vorgarten? Das sind essentielle Dinge die man wissen muss. Zum einen um sich zu schützen, zum anderen, um mit dem Hausbesitzer ins Gespräch zu kommen. Bei Wohnungsbesitzern muss man wiederum auf andere Dinge achten. Wie sieht der Flur aus? Was für Kleidung hängt an der heimischen Garderobe? Vielleicht Arbeitskleidung? Hängen Bilder an der Wand, oder ist es schmutzig im Flur? Interessant sind auch die Gerüche die einen aus der Wohnung entgegen kommen. Wenn man in der ersten Minute schon High wird vom Geruch sollte man schleunigst die Beine in die Hand nehmen. Ist es allerdings so, das sich nur der Würgereflex einstellt, so ist das noch kein Grund zur Flucht. Alle Informationen die man sammelt sind dafür gedacht die Menschen in ein Gespräch verwickeln zu können. Diese Informationen sind Hilfe zur Kontaktaufnahme, Schutz vor Satan, und man erkennt duch die Informationen, ob man vor sich eventuell einen interessierten neuen Rekruten hat, oder einen neuen Informanten der sich in der Nachbarschaft auskennt.

Das was man da in Erfahrung bringt schreibt man nach dem Besuch an der Haustür fein säuberlich in ein Büchlein. Später für die Kollegin nicht die Kopie vergessen!!! Dann geht’s weiter. An der nächsten Tür ist Omma Paschullke. Sie wartet darauf das wir alle 2 Wochen bei ihr vorbei kommen. Omma Paschullke ist unser geheimer Informant. Sie kennt die Gegend wie keine andere. Wir versorgen sie mit allem möglichen, meistens jedoch mit geistiger Speise und Aufmerksamkeit, das hat sie nämlich selten bis nie. Die Enkel kommen immer nur um Geld abzustauben. Und für die Zeit die wir für Omma Paschullke einsetzen bekommen wir die Informationen die wir benötigen. Sie kennt jeden Nachbarn. Wir brauchen nur die richtigen Informationen aus ihr heraus kitzeln. So wissen wir zum Beispiel das in dem Haus nebenan ein verheirateter Mann wohnt. Er arbeitet von morgens bis Abends um das Geld nach Hause zu bringen. Omma Paschullke ist allerdings wenig begeistert von der Frau. Sie hat einen Liebhaber. Da kommt immer ein Mann am Vormittag den sie im Morgenmantel an der Haustür empfängt. Der Mann kommt erst Abends wieder. Ich notiere in mein Heft das wir es Abends nochmal an dem Haus versuchen, dann ist der Mann zuhause. Omma Paschullke sagt auch, das der Mann Sekretär im Bürokomplex von Kraftbaumeister ist. Aha.... auch das notiere ich mir, daraus könnte sich ein interessantes Gespräch ergeben. Omma Paschullke weiß noch mehr und ich notiere alles was neu ist. In der Nebenstraße wohnt Lisalotta Mustermann. Sie ist arbeitslos und Onkel Urmel aus einer weiteren Nebenstraße ist Frührentner. Sie alle sind froh wenn wir da sind. Auch von ihnen bekommen wir nützliche Infos. Am Ende habe ich drei Seiten geschriebene Informationen, rund um das Viertel. Das sind hunderte Infos um den nächsten Angriff auf den Feind zu planen, oder um neue Agenten zu rekrutieren. Schauen wir mal....

Der Feind:
Satan, Dämonen, weltliche Menschen
Da draußen ist viel los. Man kann sich nie sicher sein wo der Feind lauert. Jede Veränderung im Feld muss notiert werden um die Informanten zu schützen, oder um neue mögliche Rekruten zu schützen. Sie sind unsere Zukunft. Vielleicht finden sich neue Rekruten mitten im Feld, und das geht nur über Insiderwissen. Man stelle sich mal vor, das man nicht weiß wer im letzten Haus wohnt. Lange zeit erreicht man dort keinen, weil die Leute zu anderen Zeiten daheim sind. Und dann kommt ein Angriff Satans, und wir haben die Leute aus dem letzten Haus vergessen weil wir nicht wussten was mit ihnen ist. Unsere Beobachtungen und unsere Informanten, das sind die Sicherheiten in der Dunkelheit. Big J. wird helleres Licht senden wenn es noch düsterer wird, bis dahin müssen wir mit den Mitteln klarkommen die wir haben. Aber dafür werden wir ja geschult.

Es kann sein, das wir auf einem anderen Gebiet eingesetzt werden. Das macht nichts. Wir geben die gesammelten Informationen in der Kommandozentrale ab. Da ist ein Verbindungsoffizier, der sammelt das ein und händigt es an die neuen Agenten aus, welche das alte Gebiet dann bekommen werden. Aber ich bekomme dann auch ein neues Gebiet. Das ist schön da wird es nie langweilig. Und ich bekomme vom Verbindungsoffizier auch gesammelte Infos über dieses neue Gebiet. Es gilt diese Informationen zu erweitern. Nicht auszudenken wenn sich was verändert hat in dieser Zeit.

Am späten Nachmittag stehe ich geschniegelt und gebügelt in Arbeitsuniform in der Fußgängerzone. Ich nenne das aktive Jagt. Es ist so, als sitzt man auf einen Hochsitz, fixiert die vorbeilaufenden Massen und pickt sich hin und wieder Menschen heraus, die wir mit Zeitschriften erfreuen. Dabei gehen wir gezielt vor. Kragen hochgestellt, Ärmel hochgekrempelt, Person mit den Augen fixiert und im Stechschritt hin, Grinsen und Verwirrung stiften indem man sie mit irgend einem aktuellen Thema aus der Presse anlabert und den Bogen soweit spannt das wir ihnen die Gesetze von Big J. einfach rechts und links um die Ohren klatschen bis ihnen hören und sehen vergeht. Dann drücken wir ihnen das Heft in die Hand, weisen noch hin das man an kostenlosen Informationsschulungen teilnehmen kann, zeigen das dafür vorgesehene Anmeldeformular auf der Rückseite und klopfen ihnen nochmal aufmunternd auf die Schultern, ehe wir sie überrumpelt und sprachlos da stehen lassen wo wir sie aufgegabelt haben.

Freudestrahlend eilt man dann davon in der Gewissheit das man am Ende des Tages Satan 3 mal besiegt hat, 5 neue Informanten gefunden hat, 3 Seiten Informationsmaterial zusammen getragen hat und mindestens 8 Zeitschriften in die gegnerischen Linien eingeschläust hat. Propaganda ist eben alles!

Am Ende des Tages gönnt sich eine so erfolgreiche Agentin wie ich es nun mal bin einen Coffe to Go am Kiosk um die Ecke. Ich kauf mir auch eine „Schildzeitung“, weil man muss ja auch wissen was in der Welt los ist. In Großbuchstaben lese ich gleich auf der ersten Seite:

NSA – Großer Abhörskandal weltweit
Menschen nicht mehr sicher was ihre Privatsphäre anbelangt
Informationen auf illegalem Weg beschafft
Täter und Informanten gefasst, Technik im Wert von 20k Mäusen sichergestellt

Ich sehe die Überschrift und denke lächelnd....... Peanuts, Anfänger, Stümper. Mein triumphierendes Lächeln wird nachdenklicher. Sie haben halt den falschen Chef. Big J. hat die besseren Informanten, die besseren Mitarbeiterschulungen, und die besseren Argumente um Informationen zu beschaffen. Ich bin froh eine Agentin von Big J. zu sein.

Dann mache ich mich auf den Heimweg. Dort angekommen verstaue Infobüchlein und die restlichen Zeitschriften auf meinem Schreibtisch und tausche Arbeitskleidung gegen Nachthemd. Nochmals gedenke ich Big J. ehe mich ein erholsamer Schlaf mitten ins Paradies befördert. Zwischen Rosen und Nelken stehe ich neben einem Löwen und eine Anakonda schlängelt sich sanft um meinen Körper. Ich bin Silvie – Deckname Sulamith, Agent von Big J. und allzeit bereit!
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Heute habe ich etwas gelesen, das erinnerte mich doch stark an frühere Tage. Gewisse Ähnlichkeiten zu den Zeugen sind vorhanden und ich musste darüber lachen, schaut es euch einfach selber an, vielleicht kennt es der eine oder andere schon: Hank und seine Freunde - eine Geschichte über Religion

http://www.dittmar-online.net/hank.html